Ich war ein bekloppter Hund

Willi Jurasik: 35 Jahre Vorsitzender des Boxerklubs

Quelle: Westfälische Nachrichten, Autorin: Ellen Bultmann Quelle: Westfälische Nachrichten, Autorin: Ellen Bultmann
Münster-Nienberge. Wenn dieses Lachen ertönt, wissen alle: Willi ist da. Herzhaft und ansteckend, von weit her zu hören. So lacht Willi Jurasik, seit 45 Jahren aktiv im Boxerklub, davon 35 Jahre als erster Vorsitzender. Der 77-jährige Havixbecker tritt in der Jahresversammlung am 9. März 2007 nicht zur Wiederwahl an. Dann beginnt eine neue Epoche für die seit 1928 bestehende Ortsgruppe, bei der nicht nur Boxer, sondern auch andere Rassen und Mischlinge  in nahezu jeder Hundesportart trainiert werden können. Natürlich wird Jurasik sich nicht ganz vom Übungsgelände am Rüschhausweg zurückziehen. Mit seinen lebendigen Erzählungen, stets begleitet von einem schalkhaften Funkeln in den wachen Augen, wird er weiterhin präsent sein.
„Es ist einfach mein Naturell: Wenn ich etwas mache, mache ich es ganz", sagt Willi Jurasik von sich selbst. Und: „Ich war so ein bekloppter Hund – was hab' ich nicht alles gemacht." Hunde ausgebildet, auch für andere Leute. Den Zuchtwart zu Wurfabnahmen durch halb Westfalen kutschiert. 1966, 1981 und 1997 bei Bundessiegerprüfungen angetreten. Sechs Mal die Bundessiegerprüfung in Münster organisiert – so häufig wie keine andere Ortsgruppe. Von 1966 bis 2006 nur zwei Mal wegen Krankheit bei der jährlichen Siegerprüfung gefehlt. 1985 die Jahressiegerzuchtschau durchge¬führt. Schriftführer, Kassierer, Ausbildungswart gewesen, zusätzlich 17 Jahre Landes¬gruppenausbildungswart. Bis zum 65. Lebensjahr als Schutzdiensthelfer den gepolsterten Arm zum festen Zubiss hingehalten. Zwei Mal die Umsiedlung des Vereins organisiert und mit viel Eigenarbeit Clubheim und Übungsplatz neu aufgebaut. Willi Jurasik bilanziert: „Ich hab's immer gerne gemacht."
Er weiß: „Das geht nur, wenn man den Rückhalt der Familie hat, besonders von der Ehefrau." Seine Anneliese musste oft auf ihn verzichten. Aber ihr ist ganz klar: „Es tut ihm ja gut, das ist dann der Ausgleich." Sie darf auch nicht schimpfen, denn dass die Jurasiks auf den Hund kamen, ist ihr zu verdanken. Als das Ehepaar 1960 in eine Dienstwohnung am Schifffahrter Damm zog, war es der jungen Frau dort zu einsam gelegen. Dass der Familienhund ein Boxer wurde, lag daran, dass Willi Jurasik auf dem Weg zur Arbeit immer an zwei Hunden dieser Rasse vorbei musste: „Die kamen an den Zaun gestürmt und wollten mich auffressen. Dann haben wir aber doch gute Freundschaft geschlossen." Bis zu vier Boxer gleichzeitig lebten in der Familie Jurasik, insgesamt wohl an die 16 Hunde. Noch im vergangenen Jahr nahm Willi Jurasik mit seinem siebenjährigen Rüden Rico an Prüfungen teil.
Ein guter Hundeführer sein ist die eine Sache, aber wie führt ein Vorsitzender über so lange Jahre hinweg erfolgreich seinen Verein? „Man muss gut mit unterschiedlichen Menschen umgehen können", betont Jurasik. Er hatte da schon Übung, weil er beruflich auch Personalchef von 170 Mitarbeitern aus allen Bevölkerungsschichten war. Meinungsverschiedenheiten gibt es allerdings auch im Boxerklub. „Da muss man sich durchlavieren und das schnell aus der Welt schaffen", nennt der scheidende Vorsitzende sein Rezept. Kommt ihm eine Unstimmigkeit zu Ohren, zögert er nicht lange und spricht mit den Beteiligten. Auch wo Arbeit zu verrichten ist, hält er die Mitglieder bei der Stange. Auf charmante Art gefragt, kann kaum jemand ablehnen.
Zwei Tipps hält Willi Jurasik für seinen Nachfolger bereit: „Immer ein gutes Vereinsklima aufrechterhalten und offen sein für Neuerungen." Letzteres ist ihm bestens gelungen. Neben dem klassischen Hundesport, der „Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde" (VPG) mit Un¬terordnung, Schutzdienst und Fährtensuche, gibt es beim Boxerklub die Welpenstunde und die Junghundeschule, den Hundeführerscheinkursus, Agility und seit 2007 Obedience. Dogdancing war im Jahr 2006 ebenfalls vertreten. Neue Trends müssen aufgegriffen werden, rät der erfahrene Vorsitzende: „Nur mit dem VPG-Bereich allein kann man heute keinen Hundesportverein mehr am Leben erhalten."

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Willi Jurasik war stets gefragt

Willi Jurasik wurde am 14. Dezember 1929 in Dorsten geboren. Er begann 1944 mit der Aus¬bildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, wurde jedoch im Januar 1945 zum Kriegsdienst eingezogen. Ab 1948 arbeitete er für die Eier- und Geflügel-Verwertungsgenossenschaft in Münster und Altenberge, ab 1951 in der Prüfungsabteilung des Genossenschaftsverbands. Um die marode Buchhaltung der Vorjahre in Ordnung zu bringen, wurde Jurasik 1955 von der „Genossenschaft zur Förderung der Rindviehzucht durch Besamung" engagiert. Dort war man von seiner gewissenhaften Arbeit so begeistert, dass er gleich ganz übernommen wurde. Eigentlich wollte Jurasik im Dezember 1992 in den Ruhestand gehen, doch schon im Januar 1993 wurde er zurück geholt und arbeitete zwei Jahre halbtags weiter.
Seine Frau Anneliese lernte er im Januar 1949 kennen. Geheiratet wurde 1957.

Quelle: Westfälische Nachrichten, Autorin: Ellen Bultmann