Verein feiert 75-jähriges Bestehen mit "Tag der offenen Tür"
Quelle: Westfälische Nachrichten, Autorin: Ellen Bultmann
Münster-Nord. Hundesport ist mit Bewegung verbunden. Dass jedoch ein Verein in Bewegung bleibt, weil er sich immer wieder einen neuen Übungsplatz suchen muss, ist eher ungewöhnlich. Wenn die Gruppe Münster des Boxerklubs am Samstag (14. Juni) ihr 75-jähriges Bestehen feiert, blicken die Mitglieder nicht nur auf Erfolge in der Ausbildung und bei Ausstellungen zurück. Sie erinnern sich auch an den Weg, der sie zu ihrem jetzigen Platz am Rüschhausweg 492 führte. Vorsitzender Willi Jurasik ist seit 41 Jahren dabei und erläuterte im WN-Gespräch die Vereinsgeschichte.
Mit seinem ersten Boxer, "Faust vom Gondelteich", suchte der heute 73-jährige Jurasik 1961 Anschluss an andere Freunde dieser Rasse. Er fand sie auf einem Gelände an der Gaststätte Heidekrug am Pleistermühlenweg. Deren ehemaliger Gastwirt Klemens Althues hatte 1928 eine Hündin erworben, mit der sein Sohn züchtete. Auf das Jahr dieser Anschaffung geht das offizielle Gründungsdatum "1. Juni 1928" der Gruppe Münster des Boxerklubs München zurück.
Auf dem Platz am Heidekrug bestand seit 1951 eine Arbeitsgemeinschaft der Boxerhalter mit dem Deutschen Verband für Gebrauchshunde (DVG). Dessen Clubheim war im Zweiten Weltkrieg abgebrannt, so dass sich die Hundefreunde bei Regen nur in einem Holzschuppen unterstellen konnten. Ein regulärer Übungsbetrieb existierte zunächst nicht. Dann stieß Willi Brüggershemke dazu, der sich in der Hunde-Ausbildung auskannte - und mit der Sense umgehen konnte, denn einen Rasenmäher gab es nicht. Über die Zucht lernte Jurasik viel von Hans Heyer, der mit seiner Hündin "Abra vom Esch" Spitzenhunde hervorbrachte und als Zuchtwart den Nachwuchs anderer Hündinnen begutachtete. Eine alte Barracke wurde 1964 durch Spenden finanziert und als Clubheim aufgebaut. Dadurch lebte der Ubungsbetrieb auf, die Gruppe Münster bekam einen "riesigen Zulauf", so der Vorsitzende. Sie deckte ein großes Gebiet im Münsterland ab, in dem inzwischen mehrere eigene Gruppen bestehen. "Viele junge Familien kamen zu uns und brachten ihre Kinder mit — es war eine traumhafte Gemeinschaft", denkt Jurasik gerne an die Anfänge zurück. Die Arbeitsgemeinschaft mit dem DVG ging 1971 zu Ende, der Boxerklub musste daher einen eigenen Platz suchen. Auf der Ecke Hoher Heckenweg / Edelbach in Coerde bezog der Verein 1973 eine Fläche, die den Landwirten zu nass war. "Sechs Lastzüge Müll mussten wir dort abfahren", erinnert sich Jurasik. Nach der Einweihung 1974 war es "einer der besten Plätze in Westfalen". Die benachbarten britischen Soldaten durften mit ihren Hunden dort trainieren und bewachten im Gegenzug die Anlage, weil vier Mal in das Clubheim eingebrochen worden war. Die Briten unterstützten den Verein zudem bei Großveranstaltungen mit Strom und Wasser. Der Platz musste aufgegeben werden, weil dort ein Spielplatz für das neue Wohngebiet entstand. Nach schwieriger Suche machte der Verein im Mai 1998 auf dem heutigen Gelände einen neuen Anfang. Für 20 Jahre wurde die Fläche vom Landwirt Franz-Josef Frerking gepachtet. Wieder hieß es: drainieren, einzäunen, ein Clubheim suchen und aufbauen. Die Arbeit lohnte sich: "Unsere Anlage zählt zu den besten im Bundesgebiet", betont Jurasik. Von Anfang an waren Hunde aller Rassen und Mischlinge willkommen. Für jedes Hundealter und nahezu jede Form des Hundesports werden Kurse angeboten. Schulklassen können ihren Biologie-Unterricht auf dem Platz abhalten. Die Gruppe Münster hatte stets 80 bis 100 Mitglieder.
Der Einsatz der Aktiven war gefragt, als der Verein die Bundessiegerprüfungen von 1969 im CVJM-Stadion durchführte. Zwei Siegerprüfungen (1974 und 1988) sowie eine Jahressiegerzuchtschau (1985) fanden auf dem zweiten Platz des Vereins statt, eine Bundessiegerprüfung 1998 im Preußenstadion. Die nächste läuft vom 10. bis 12. Oktober im Sportpark des 1. FC Gievenbeck. Bis zu 2500 Zuschauer werden erwartet.
Tag der offenen Tür am Samstag (14. Juni), Vorführungen von 10.45 bis 15.15 Uhr, Rüschhausweg 492.
Quelle: Westfälische Nachrichten, Autorin: Ellen Bultmann
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